Aktuelle öffentliche Ausschreibungen, Vergabeverfahren und Aufträge der öffentlichen Hand. Täglich aktualisiert.
Alle wichtigen Begriffe aus dem Vergaberecht, von Gesetzen wie GWB und VgV über Vergabeverfahren bis hin zu praktischen Konzepten wie Bindefrist und Zuschlag. Verständlich erklärt für Bieter, Auftraggeber und alle, die sich für öffentliche Ausschreibungen interessieren.
51 Begriffe · alphabetisch nach Kategorie sortiert
Gesetze und Verordnungen, die die öffentliche Vergabe regeln
Das GWB ist das zentrale Wettbewerbsgesetz Deutschlands. Teil 4 (§§ 97–173) regelt das öffentliche Vergaberecht.
Die VgV regelt das Vergabeverfahren für öffentliche Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte im Bereich Lieferungen und Dienstleistungen.
Die UVgO regelt die Vergabe öffentlicher Liefer- und Dienstleistungsaufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte. Sie löste 2017 die VOL/A ab.
Die VOB/A regelt die Vergabe von Bauleistungen durch öffentliche Auftraggeber — sowohl oberhalb als auch unterhalb der EU-Schwellenwerte.
Die VOL/A war bis 2017 die Vergabevorschrift für Liefer- und Dienstleistungen. Sie wurde im Unterschwellenbereich durch die UVgO abgelöst.
Die SektVO regelt die Vergabe von Sektorenauftraggebern (Energie, Wasser, Verkehr) oberhalb der EU-Schwellenwerte.
Die KonzVgV regelt die Vergabe von Konzessionen durch öffentliche Auftraggeber.
Die EU-Vergaberichtlinien sind der rechtliche Rahmen für die öffentliche Auftragsvergabe in der Europäischen Union.
Das Wirtschaftlichkeitsprinzip verlangt, dass öffentliche Aufträge wirtschaftlich und sparsam vergeben werden.
Das Transparenzprinzip verlangt, dass Vergabeverfahren nachvollziehbar und für alle Bieter fair ablaufen.
Das Prinzip der Gleichbehandlung verlangt, dass alle Bieter in einem Vergabeverfahren gleich behandelt werden.
Die VergStatVO regelt die statistische Erfassung und Meldung von Vergabeverfahren in Deutschland.
Die verschiedenen Vergabeverfahrensarten von offen bis Verhandlung
Das offene Verfahren ist ein Vergabeverfahren, bei dem jedes interessierte Unternehmen ein Angebot abgeben kann. Es gibt keine Teilnahmeantrags-Phase.
Im beschränkten Verfahren können nur ausgewählte Unternehmen ein Angebot abgeben. Es gibt eine Teilnahmeantrags-Phase mit anschließender Eignungsprüfung.
Im Verhandlungsverfahren kann der Auftraggeber mit ausgewählten Bietern über alle Vertragsbestandteile verhandeln.
Der wettbewerbliche Dialog ist ein Vergabeverfahren für besonders komplexe Vorhaben, bei dem Auftraggeber und Bieter im Dialog Lösungen entwickeln.
Die Innovationspartnerschaft ist ein Vergabeverfahren für die Entwicklung innovativer Produkte, Dienstleistungen oder Bauwerke.
Die freihändige Vergabe ist ein Vergabeverfahren im Unterschwellenbereich, bei dem der Auftraggeber mit ausgewählten Unternehmen verhandeln kann.
Eine de facto Vergabe liegt vor, wenn ein öffentlicher Auftrag ohne förmliches Vergabeverfahren vergeben wird, obwohl die Vorgaben greifen würden.
Die Direktvergabe ist die Auftragsvergabe ohne förmliches Vergabeverfahren. Sie ist nur in Ausnahmefällen zulässig.
Ablauf und Bestandteile des Vergabeverfahrens
Die Ausschreibung ist das förmliche Verfahren, bei dem öffentliche Auftraggeber Unternehmen auffordern, Angebote für Leistungen einzureichen.
Die Ausschreibungsreife ist erreicht, wenn alle Bedingungen für eine Vergabe erfüllt sind: Das Projekt ist konkret, finanzierbar und rechtlich zulässig.
Die Leistungsbeschreibung definiert die vom Auftragnehmer zu erbringenden Leistungen. Sie ist Kernstück jeder Ausschreibung.
Das Leistungsverzeichnis ist ein detaillierter Katalog aller Einzelposten einer Bauleistung oder Dienstleistung mit Mengen und Einheiten.
Die Bindefrist ist der Zeitraum, während dessen ein Bieter an sein Angebot gebunden ist und den Zuschlag annehmen muss.
Der Zuschlag ist die Annahme eines Angebots durch den Auftraggeber und führt zum Vertragsabschluss.
Das Angebot ist die verbindliche Erklärung eines Bieters, eine Leistung zu bestimmten Bedingungen zu erbringen.
Eine Bietergemeinschaft (ARGE) ist ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die gemeinsam ein Angebot abgeben.
Ein Nachunternehmer ist ein Unternehmen, das im Rahmen eines Vergabevertrags Leistungen für den Hauptauftragnehmer erbringt.
Die Zuschlagserteilung ist die förmliche Beauftragung eines Bieters nach Abschluss des Vergabeverfahrens.
Bieterfragen sind Anfragen von Bietern zur Ausschreibung, die während der Angebotsfrist gestellt werden können.
Die Angebotseröffnung ist der Zeitpunkt, zu dem die eingegangenen Angebote vom Auftraggeber geöffnet und erfasst werden.
Kriterien und Prüfungen im Vergabeverfahren
Eignungskriterien sind die Kriterien, anhand derer der Auftraggeber beurteilt, ob ein Bieter fachlich, wirtschaftlich und rechtlich zur Auftragsausführung geeignet ist.
Zuschlagskriterien sind die Kriterien, anhand derer der Auftraggeber das wirtschaftlichste Angebot ermittelt und den Zuschlag erteilt.
Die Einheitliche Europäische Eigenerklärung (EEE) ist ein Standardformular, das Bieter zur Eignungsprüfung ausfüllen.
Referenzen sind Nachweise über ähnliche Leistungen, die ein Bieter in der Vergangenheit erbracht hat. Sie sind ein zentrales Eignungskriterium.
Wann gilt welches Vergaberecht?
Rechtsbehelfe bei Vergaberechtsverstößen
Das Nachprüfungsverfahren erlaubt es Bietern, Verstöße gegen Vergabevorschriften durch öffentliche Auftraggeber zu rügen.
Die Rüge ist die formelle Beanstandung eines Vergaberechtsverstoßes durch einen Bieter gegenüber dem Auftraggeber.
Die Vergabekammer ist die zuständige Behörde für die Nachprüfung von Vergabeverfahren bei Streitigkeiten zwischen Bietern und Auftraggebern.
Der Vergabesenat ist die Berufungsinstanz bei Oberlandesgerichten für Entscheidungen der Vergabekammern.
Elektronische Standards und Portale
Der CPV-Code (Common Procurement Vocabulary) ist ein standardisiertes Klassifizierungssystem für öffentliche Aufträge in der EU.
eForms ist der neue EU-Standard für elektronische Vergabebekanntmachungen, der ab 2025 verpflichtend wird.
GAEB (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen) ist der deutsche Standard für den elektronischen Austausch von Leistungsverzeichnissen.
TED ist das offizielle Vergabeportal der Europäischen Union für die Veröffentlichung von Oberschwellenvergaben.
Wer ist am Vergabeverfahren beteiligt?
Ein Auftraggeber ist eine Stelle, die einen öffentlichen Auftrag vergibt. Dazu gehören Bund, Länder, Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen.
Die Vergabestelle ist die organisatorische Einheit innerhalb eines Auftraggebers, die für die Durchführung von Vergabeverfahren verantwortlich ist.
Besondere Vergabeformen und Querschnittsthemen
Sektorenauftraggeber sind Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser, Verkehr und Hafen, für die die SektVO gilt.
Tariftreue bedeutet, dass Auftragnehmer bei öffentlichen Aufträgen die einschlägigen Tariflöhne zahlen müssen.
Eine Konzession ist ein Vertrag, bei dem der Auftragnehmer das wirtschaftliche Risiko trägt und dafür ein Nutzungsrecht erhält.
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