Vergabefehler erkennen, Rüge aussprechen und Nachprüfungsverfahren einleiten. Alle Rechte der Bieter bei Vergabeverstößen — von der Rüge bis zur Vergabekammer.
Zuletzt fachlich geprüft: 17.9.2026Das Nachprüfungsverfahren ist das vergaberechtliche Instrument, mit dem Unternehmen Verstöße gegen Vergaberegeln geltend machen können. Es ist kein allgemeiner Widerspruch, sondern ein eigenständiges Verfahren nach dem vierten Teil des GWB.
Wichtig: Antragsbefugt ist ein Unternehmen, das ein Interesse am konkreten Auftrag oder an der Konzession hat, eine mögliche Rechtsverletzung geltend macht und einen drohenden oder entstandenen Schaden darlegt. Eine bloß allgemeine Kritik ohne eigenes Auftragsinteresse genügt nicht.
Prüfen Sie systematisch:
1. Bekanntmachung: Ist sie ordnungsgemäß veröffentlicht? Stimmen die Angaben?
2. Vergabeunterlagen: Sind sie vollständig und widerspruchsfrei?
3. Eignungsanforderungen: Sind sie diskriminierungsfrei und angemessen?
4. Zuschlagskriterien: Sind sie transparent und nachvollziehbar?
5. Verfahrensablauf: Wurden Fristen und Formalien eingehalten?
Tipp: Dokumentieren Sie alle Auffälligkeiten sofort mit Datum, Uhrzeit und Quelle. Spätere Nachweise sind schwierig.
Bevor Sie einen Nachprüfungsantrag stellen können, müssen Sie den Vergabefehler beim Auftraggeber rügen (§ 160 Abs. 3 GWB).
"Hiermit rüge ich den Vergabefehler [konkret beschreiben] im Vergabeverfahren [Aktenzeichen]. Ich bitte um Abhilfe bis zum [Datum]."
Wichtig: Ein erkannter Verstoß ist im Anwendungsbereich des § 160 Abs. 3 GWB grundsätzlich innerhalb von zehn Kalendertagen zu rügen. Verstöße, die aus der Bekanntmachung oder den Vergabeunterlagen erkennbar sind, müssen spätestens bis zum Ablauf der dort genannten Bewerbungs- oder Angebotsfrist gerügt werden.
Wenn der Auftraggeber nicht abhilft, können Sie einen Nachprüfungsantrag bei der zuständigen Vergabekammer stellen.
Die Fristen richten sich nach § 160 Abs. 3 GWB und hängen davon ab, wann der Verstoß erkannt wurde und ob er aus Bekanntmachung oder Vergabeunterlagen hervorgeht. Ein erkannter Verstoß ist grundsätzlich innerhalb von 10 Kalendertagen zu rügen; Fehler aus Bekanntmachung oder Unterlagen müssen spätestens bis zum Ablauf der Angebots- oder Bewerbungsfrist gerügt werden. Zusätzlich gilt eine gesetzliche Ausschlussfrist nach einer Mitteilung des Auftraggebers, dass er der Rüge nicht abhilft.
Der Antrag muss enthalten:
1. Bezeichnung des Vergabeverfahrens
2. Konkrete Benennung des Vergabefehlers
3. Antrag auf Abhilfe oder Aufhebung des Vergabeverfahrens
4. Nachweis der Rüge (Kopie der Rüge und Antwort)
1. Antragseingang bei der Vergabekammer
2. Prüfung der Zulässigkeit (Fristen, Rügepflicht, Antragsbefugnis)
3. Anhörung der Beteiligten (Auftraggeber und betroffene Bieter)
4. Entscheidung innerhalb der gesetzlichen Frist
Die Vergabekammer entscheidet grundsätzlich innerhalb der gesetzlichen Entscheidungsfrist; die konkrete Dauer und mögliche Verlängerungen richten sich nach dem Verfahrensstand und den gesetzlichen Voraussetzungen. Eine pauschale Dauer für jede Vergabe lässt sich daraus nicht ableiten.
Gegen die Entscheidung der Vergabekammer können Sie Rechtsmittel einlegen:
Für das Nachprüfungsverfahren fallen grundsätzlich Gebühren an. Höhe und Kostenentscheidung richten sich nach den gesetzlichen Vorschriften und dem konkreten Verfahren; pauschale Gebührenkorridore oder eine automatische Kostenerstattung sollten daher nicht angenommen werden.
Die notwendigen Aufwendungen und ihre Erstattung richten sich nach dem Ausgang des Verfahrens und den gesetzlichen Vorschriften. Pauschale Kostenangaben sind nicht belastbar; insbesondere können Anwaltskosten, Auslagen, Kammergebühren und gegebenenfalls Kosten eines Beschwerdeverfahrens anfallen.
Kann ich nach der Angebotsabgabe noch rügen?
Das hängt vom Zeitpunkt der Kenntnis und vom betroffenen Fehler ab. Für Fehler aus Bekanntmachung oder Vergabeunterlagen ist regelmäßig die Angebots- oder Bewerbungsfrist maßgeblich; bei später erkannten Verstößen gelten die weiteren Voraussetzungen und Fristen des § 160 Abs. 3 GWB.
Was passiert, wenn ich zu spät rüge?
Eine verspätete Rüge kann zur Unzulässigkeit eines späteren Nachprüfungsantrags führen. Welche Frist gilt, muss anhand des konkreten Fehlers und Kenntniszeitpunkts geprüft werden.
Kann ich Schadensersatz verlangen?
Schadensersatz ist vom Nachprüfungsverfahren zu unterscheiden. Ob ein Anspruch besteht, hängt von einer eigenen Anspruchsgrundlage und den Umständen des Einzelfalls ab; die Vergabekammer spricht nicht automatisch entgangenen Gewinn zu.
Muss ich den Auftraggeber vorher informieren?
Grundsätzlich muss ein erkannter Vergabeverstoß zunächst gegenüber dem Auftraggeber gerügt werden. § 160 Abs. 3 GWB enthält jedoch differenzierte Fristen und Ausnahmen, etwa für bestimmte Feststellungsanträge; der konkrete Fall muss geprüft werden.
Das Nachprüfungsverfahren ist ein starkes Instrument für Bieter bei Vergabefehlern. Entscheidend sind: schnelle Erkennung des Fehlers, ordnungsgemäße Rüge und fristgerechter Antrag. Wer diese Schritte befolgt, hat gute Chancen, Vergabefehler korrigieren zu lassen.
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